Zecken als Krankheitsüberträger

Ein Zeckenstich (früher auch fälschlicherweise als „Zeckenbiss“ bezeichnet) tut meistens nicht weh und erscheint daher im ersten Augenblick vergleichsweise harmlos. Doch Zecken können ernsthafte Krankheiten wie FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) oder Lyme-Borreliose übertragen. Umso wichtiger ist es, sich umfassend zu informieren und gerade in der Zeckensaison von März bis Oktober für zuverlässigen Schutz vor Zecken zu sorgen. Die wichtigsten Fakten zu beiden Zecken- Krankheiten finden Sie in Abbildung 1.

FSME und Borreliose – die Zecken-Krankheiten

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Fieber und grippeartige Beschwerden können erste Symptome bei FSME und Borreliose sein.

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) handelt es sich um eine Form der Hirnhautentzündung, die bei schweren Verläufen zu dauerhaften Lähmungen führen oder gar tödlich verlaufen kann. Sie wird durch Viren ausgelöst, die von Zecken übertragen werden. Dabei ist das FSME- Risiko nicht in allen Regionen in Deutschland gleich hoch. Als FSME- Risikogebiete werden derzeit bestimmte Landkreise in Bayern, Baden- Württemberg, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz eingestuft1. Insbesondere für Einwohner oder auch Besucher dieser Risikogebiete wird eine FSME-Schutzimpfung dringend empfohlen. Eine Impfung gegen die Lyme-Borreliose – benannt nach der US-amerikanischen Kleinstadt Lyme, in der nach Zeckenstichen gehäuft Gelenkentzündungen beobachtet wurden – existiert derzeit nicht. Die Lyme-Borreliose wird durch Bakterien (verschiedene Borrelien-Arten) ausgelöst, und gilt als häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. Die Borrelien finden sich ursprünglich im Blut von Mäusen, Ratten oder anderen Tieren und werden durch den Stich einer Zecken an den Menschen weitergegeben. In der Folge kommt es zu einer chronischen Infektionserkrankung, die Haut, Gelenke und das Zentralnervensystem betreffen kann. Laut Experten besteht das Borreliose Risiko in ganz Deutschland – es ist folglich nicht auf einige Risikogebiete beschränkt. Schätzungen zufolge sind bis zu 35 Prozent aller Zecken mit Borrelien infiziert – damit werden die Blutsauger zur ernsthaften Gefahr für den Menschen.

FSME: Symptome – Behandlung – Verlauf

Zu Beginn der Infektion können in einem Zeitraum von drei bis 14 Tagen nach dem Stich grippeartige Beschwerden auftreten (Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen). Die Beschwerden klingen in der Regel für einen gewissen Zeitraum (ca. ein bis drei Wochen) wieder ab. Anschließend kommt es zu weiteren Symptomen bzw. Komplikationen:
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): typisch sind Kopfschmerzen am Hinterkopf, Erbrechen, Geräuschempfindlichkeit, Lichtscheue, Nackensteifigkeit
  • Entzündung des Gehirns (Enzephalitis): epileptische Anfälle und Bewusstseinstrübung sind möglich
  • Rückenmarksentzündung (Meningomyelitis) – vor allem bei älteren Patienten: Rückenschmerzen, Empfindungsstörungen, Lähmungen
Lähmungen können Arme und Beine betreffen, aber auch Sprechstörungen, Schluckstörungen oder lebensgefährliche Lähmungen der Atemmuskulatur sind möglich. Die FSME ist meldepflichtig. Die FSME Behandlung erfolgt in erster Linie symptomatisch, Bettruhe ist für die Patienten wichtig. Bei entsprechender Therapie ist die Prognose der FSME vor allem bei Kindern gut. Sollte eine Meningomyelitis auftreten, sind mitunter schwerere Verläufe möglich.

FSME Impfung – Hintergrundinformationen

Die FSME Impfung wird von der STIKO (Ständige Impfkommission) insbesondere für folgende Personengruppen empfohlen:
  • Einwohner der FSME- Risikogebiete (insbesondere bei ländlicher Wohnlage oder häufigen Freizeitaktivitäten im Freien)
  • Touristen, die eine Reise in ein Risikogebiet planen
  • Beruflich gefährdete Personen (z. B. Forstarbeiter)
Achtung! Zeckenstiche werden nicht immer bemerkt. Insofern sollten Sie in der Zeckensaison von März bis Oktober bei verdächtigen Symptomen einen Arzt aufsuchen, auch wenn Sie keinen Zeckenstich bemerkt haben.

Die FSME- Impfung kann auch bei Kindern durchgeführt werden, wobei sich insbesondere Eltern von Kleinkindern umfassend beraten lassen sollten. Die FSME- Impfung wird im Allgemeinen gut vertragen, wobei vor allem jüngere Kinder teils mit Fieber reagieren. Sprechen Sie dazu vorab mit Ihrem Arzt. Wichtig: Eine FSME Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz – auch geimpfte Personen sollten deshalb einige allgemeine Verhaltensregeln zum Schutz vor Zecken beachten.

 

Borreliose: Symptome – Behandlung – Verlauf

Das Risiko einer Borreliose-Infektion steigt mit der Dauer des Zeckenstichs. Je länger eine Zecke ungestört Blutsaugen kann, desto größer ist das Übertragungsrisiko. Experten gehen davon aus, dass dieses innerhalb der ersten 24 Stunden als gering einzustufen ist. Um Zeckenstiche möglichst schnell zu entdecken, sollte der Körper nach Aufenthalt im Freien immer gründlich nach Zecken abgesucht und ggf. die Zecke entfernt werden. Wichtig: In den ersten Tagen und Wochen nach dem Zeckenstich sollten die Einstichstelle und das Allgemeinbefinden genau beobachten werden. Bei Borreliose kann sich eine äußerst vielfältige Symptomatik einstellen, die Haut, Muskeln, Gelenke oder auch Nerven betreffen kann. Borreliose: Symptome in Stadium I (Frühphase – Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich)
  • Kreisrunde, sich ausdehnende Rötung um die Einstichstelle („Wanderröte“ oder „Erythema migrans“). Tritt bei etwa 50 Prozent der Betroffenen auf
  • Grippeartige Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Lymphknotenschwellung
Borreliose: Symptome in Stadium II (Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich)
  • Nervenwurzelschmerzen (brennende Schmerzen)
  • Lähmungserscheinungen (z.B. ein- oder beidseitige Fazialisparese, also Gesichtslähmung)
  • Gelenkbeschwerden
  • Selten: Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
Borreliose: Symptome und Folgeerkrankungen in Stadium III (Spätmanifestationen; Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich)
  • Lyme-Arthritis (Gelenkentzündung, wobei vor allem die Kniegelenke betroffen sind)
  • Verdünnung der Haut ( „Pergamenthaut“)
  • Entzündung des Nervensystems (chronische Neuroborreliose)
Auf Basis einer Blutuntersuchung kann die Diagnose Borreliose gestellt werden – wobei an dieser Stelle auf die teils schwierige Labordiagnostik hingewiesen sei. So muss der Nachweis von bestimmten Antikörpern noch nicht zwingend für eine Borreliose sprechen. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt beraten. Steht die Diagnose Borreliose fest, erfolgt in der Regel die Gabe von Antibiotika (als Tabletten oder Infusion). Die Therapiedauer liegt zwischen zwei und vier Wochen. Der Erfolg der Therapie ist bei Behandlung der Borreliose in der Frühphase am besten zu bewerten. Gegen Borreliose gibt es derzeit keine Impfung. Experten raten, sich daher möglichst gut vor Zeckenstichen zu schützen. Wie das geht? Hier finden Sie die besten Tipps gegen Zecken. Zuverlässigen Schutz bieten darüber hinaus auch spezielle Mittel gegen Zecken wie Anti Brumm® Zecken Stopp (in der Apotheke), die auf Basis einer speziellen Wirkstoffkombination bis zu 6 Stunden vor unterschiedlichen Zeckenarten schützen können.
FSME Lyme-Borreliose
Auslöser FSME-Virus Bakterien (Borrelien wie z.B. Borrelia burgdorferi)
Verbreitung v.a. in Bayern, Baden- Württemberg, Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz Ganz Deutschland
Schutzimpfung möglich? Ja (Auffrischung nötig!) Nein
Erste Symptome (nicht bei jedem Patienten) Leichtes Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen Grippeartige Beschwerden, kreisrunde Rötung um die Einstichstelle („Wanderröte“)
Behandlung Symptomatisch Antibiotika-Therapie
Verlauf Gute Prognose, bei Meningomyelitis teils schwerer Verlauf Vor allem Behandlung in der Frühphase erfolgreich
  Abb. 1: FSME und Borreliose – die wichtigsten Fakten im Überblick.

Ehrlichiose und Babesiose – seltenere Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden

Zecken können weitere Krankheiten übertragen. Dazu zählen zum Beispiel die Ehrlichiose und die Babesiose. Im Folgenden einige Eckdaten zu diesen vergleichsweise seltenen Krankheitsbildern:

Ehrlichiose

Ehrlichiose Erreger: Ehrlichien Verbreitung der Ehrlichiose: In Süddeutschland sind Schätzungen zufolge bis zu 4 Prozent der Zecken mit Ehrlichien infiziert. Ehrlichiose Symptome (wenige Tage bis vier Wochen nach dem Zeckenstich)
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen
  • Myalgien (Muskelschmerzen)
  • Arthralgien (Gelenkschmerzen
  • Funktionsstörungen von Leber und Nieren
Etwa 75 Prozent der Infektionen verlaufen ohne Symptome. Ehrlichiose Behandlung: Gabe von Antibiotika

Babesiose

Babesiose Erreger: Babesien (Parasiten) Verbreitung der Babesiose: selten Babesiose Symptome (ca. 1 Woche nach Zeckenstich)
  • Unwohlsein
  • Übelkeit
  • Appetitverlust
  • Müdigkeit
Später können weitere Symptome wie hohes Fieber, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen hinzukommen. Babesiose Behandlung: Malariamittel  

1Stand April 2011, nach Informationen des Robert Koch Instituts (RKI)